Pflanzenwissen · Art
Die Edel-Tanne, standardsprachlich Edeltanne, auch Pazifische Edel-Tanne und Silbertanne genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Tannen (Abies) in der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) aus höheren Lagen…
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Die Edel-Tanne, standardsprachlich Edeltanne, auch Pazifische Edel-Tanne und Silbertanne genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Tannen (Abies) in der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) aus höheren Lagen des Kaskadengebirges im Westen der USA. Als größte aller Tannen besitzt sie unter den pazifischen Tannen Nordamerikas dennoch das kleinste Areal und ist auch die lichtbedürftigste neuweltliche Tanne. Nachdem im Frühjahr 1942 durch das Lend-Lease-System die Produktion von Sitka-Fichtenholz nicht die Nachfrage der US-amerikanischen und britischen Flugzeugindustrie im Zweiten Weltkrieg decken konnte, fanden sich im Holz der Edel-Tanne sowie der Westlichen Hemlock die einzigen Baumarten, die eine Neukonstruktion im Flugzeugdesign nicht erforderten. Damit gewann die Edel-Tanne im Sommer 1942 als Substitut der Sitka-Fichte große wirtschaftliche und kriegstechnische Bedeutung, die 1943 zur maximalen Ressourcen-Nutzung der Edel-Tannen in Bergwäldern des Pazifischen Nordwestens führte.
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Habitus Die Edel-Tanne ist ein immergrüner Baum, der die größten Wuchshöhen unter den Tannen erreicht, es werden Wuchshöhen über 80 Meter und Stammdurchmesser (BHD) über 2 Meter erreicht. Sie hat auffallend gerade, säulenförmige Stämme. Die Baumkrone ist symmetrisch kegelförmig. Sie ist nicht so dicht wie bei anderen Tannenarten und erscheint deshalb häufig durchsichtig. Im Gipfel sterben häufig Leittriebe ab; im Alter überragen die Seitenäste den Gipfeltrieb, und es bildet sich die sogenannte „Storchennest-Krone“. Die Zweige stehen meist im rechten Winkel vom Stamm ab, können aber im unteren Teil der Krone auch hängen. Die schlanken Zweige sind rötlich-braun gefärbt und behaart. Die Zweigoberseite ist meistens durch die dicht anliegenden Nadeln nicht zu erkennen. Die Edel-Tanne kann bis zu 800 Jahre alt werden und erreicht damit das höchste Alter aller Tannenarten. Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24. Knospen und Nadeln Die runden Knospen sind sehr klein und mit rotbraunen Schuppen versehen. Sie werden häufig von den Nadeln verdeckt. Die blaugrünen schimmernden, dichtstehenden Nadeln haben eine Lebensdauer bis zu zwölf Jahren. Die im Querschnitt viereckigen Nadeln sind 25 bis 35 Millimeter lang und oberseits rinnig vertieft. Sowohl auf der Ober- wie auch auf der Unterseite befinden sich Stomabänder. Nadeln an lichtexponierten Stellen sind meist blaugrün gefärbt und stehen aufwärts gerichtet spiralig um den Zweig. Schattennadeln sind meist dunkelgrün gefärbt und stehen gescheitelt an den Zweigunterseiten. Die Nadeln liegen im ersten Viertel dem Zweig an und krümmen sich auf. Blüten, Zapfen und Samen Die Edel-Tanne ist einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Sie wird mit 20 bis 30 Jahren mannbar, die volle Samenproduktion setzt allerdings erst mit 50 bis 60 Jahren ein. Die männlichen Blütenzapfen sind dunkelrot gefärbt und sitzen in Gruppen von bis zu 30 Blütenzapfen auf der Zweigunterseite. Die unscheinbaren weiblichen Blütenzapfen sind gelblich gefärbt mit einem schwach rötlichen Ton und stehen meist einzeln, aber auch zu zweit, selten zu fünft auf der Oberseite vorjähriger Triebe. Die Zapfen weisen eine Länge von 10 bis 24 Zentimeter und einen Durchmesser von 5 bis 7 Zentimeter auf. Sie sind damit die größten Zapfen aller bekannten Tannenarten. Schon an jungen Bäumen von nur 2 bis 3 Meter Wuchshöhe werden Zapfen angesetzt. Die reifen Zapfen sind blass purpurbraun, wirken aber blassgrün, da sie überwiegend durch die grünlichen Deckschuppen überdeckt werden. Die Samenschuppen sind etwa 2,5 Zentimeter × 3 Zentimeter groß. Der rötlich-braune Same weist eine Größe von 13 Millimeter × 6 Millimeter auf und besitzt einen hellbraunen bis strohfarbenen Flügel, der nur wenig länger ist als das Samenkorn. Das Tausendkorngewicht beträgt rund 30 Gramm und die Keimfähigkeit liegt bei 30 bis 70 %. Die Keimlinge besitzen meist fünf bis sechs (vier bis sieben) Keimblätter (Kotyledonen). Rinde Die Rinde von jungen Bäumen ist glatt und gräulich bis leicht rötlich gefärbt. Die Borke der älteren Bäume ist grau, teilweise mit einem lilafarbenen Ton, und bricht in rechteckige Platten auf. Sie ist mit 2 bis 5 Zentimeter relativ dünn, weshalb die Bäume durch Waldbrände gefährdet sind. Die Rinde der Zweige ist rötlichbraun und feinbehaart. Wurzeln Überwiegend wird ein Herzwurzelsystem mit einzelnen tiefreichenden Senkern gebildet. Vereinzelt wurden jedoch auch Pfahlwurzeln festgestellt. Windwurf kommt zwar vor, ist jedoch kein charakteristisches Merkmal der Edeltanne. Staunasse und verdichtete Böden werden nicht gut durchwurzelt. Holz Das weiche, weißliche, elastische Holz der Edel-Tanne gilt als das qualitativ hochwertigste aller nordamerikanischen Tannenarten und insgesamt auch innerhalb der Gattung. Es besitzt ein sehr gutes Steifigkeits-/Gewichtsverhältnis das mit den besten Weichhölzern wie denen von Sitka-Fichte sowie der in ihrem natürlichen Areal sympatrisch vorkommenden Westamerikanischen Hemlocktanne konkurrieren kann. Von der Qualität wird es unter den Koniferen-Hölzern nur vom schwereren Holz der Douglasie übertroffen.
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Holznutzung Allgemein wird das Holz der Edel-Tanne mit vier weiteren Tannen der amerikanischen Pazifikküste (Pracht-Tanne, Küsten-Tanne, Felsengebirgs-Tanne und Purpur-Tanne) sowie der westamerikanischen Hemlocktanne zumeist als „Hem-Fir“ vermarktet, der geläufigen US-Abkürzung der Sägeholz-Produzenten „Western Forest Products“ und „Western Woods Product Association“. Dabei ist neben der Eignung als Konstruktionsholz Edel-Tanne ein bevorzugtes Material für Leitersprossen. Hierbei wird Holz bevorzugt, das dichte Jahresringe und somit höhere Festigkeit aufweist. Das Weichholz der Edel-Tanne ist leicht und dabei trotzdem von hoher Steifigkeit, leicht zu bearbeiten und eignet sich allgemein sehr gut als Bau- und Konstruktionsholz. Es ist vor allem in Japan sehr begehrt. Im Zweiten Weltkrieg spielte es eine Rolle im Flugzeugbau, wobei ursprünglich ausschließlich Sitka-Fichte in Frage kam. Aber deren ungenügende Verfügbarkeit machte die Suche nach geeigneten Substituten erforderlich. Nachdem die Vereinigten Staaten vier Arten zur Substitution zugelassen hatten, wurden als Resultat des „Forest Products Research Laboratory“ nur noch Edel-Tanne und Westliche Hemlock empfohlen. Im Lend-Lease-System wurden somit Edel-Tannenholz-Produkte an das Vereinigte Königreich sowie Kanada geliefert und dort besonders im Bau der de Havilland DH.98 Mosquito eingesetzt. Gastbaumart Die Edel-Tanne wird für forstliche Nutzung auch außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes empfohlen. In Deutschland ist sie jedoch im Vergleich zu den hier etablierten Douglasien und Großen Küstentannen relativ selten. Forstliche Versuchsanbauten belegten, dass bei geeigneter Provenienzwahl gleichwertige oder höhere Zuwachsleistungen als bei Fichte und Douglasie möglich sind. In Bayern wurden Herkünfte aus Nord-Oregon und Washington empfohlen. Sonstige Nutzungsarten Die Edel-Tanne wird weltweit als Ziergehölz und als Christbaum angebaut. Außerdem finden ihre Zweige Verwendung als Schmuckreisig. Gartenformen (Auswahl) Blaue Edel-Tanne (Abies procera 'Glauca'), auch „Blautanne“ genannt. Diese Sorte ist wegen ihrer blauen Benadelung sehr beliebt. Die meisten in Gärten und Parks zu sehenden Exemplare gehören zu dieser Sorte. Umgangssprachlich werden die beliebten blauen Sorten der Stech-Fichte (Picea pungens), in botanisch unzutreffender Sprachweise, häufig ebenfalls „Blautanne“ genannt. Weihnachtsbaum In Deutschland machten Edel-Tannen 2012 etwa 5 Prozent der 29,2 Millionen verkauften Weihnachtsbäume aus. Damit steht diese in den Absatzzahlen hinter der Nordmann-Tanne, für die ein Marktanteil von 75 Prozent angegeben wird, und der Blau-Fichte mit 20 Prozent Marktanteil insgesamt an dritter Stelle der beliebtesten Weihnachtsbäume in Deutschland. In den Angaben des Landesverbandes Sachsen in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald entscheiden sich deutsche Haushalte zu 3 Prozent für die Edel-Tanne als Weihnachtsbaum, womit sie an vierter Stelle stehen würde. In anderen europäischen Ländern ist die Edel-Tanne teilweise beliebter als die Nordmann-Tanne. So stellt sie etwa in Irland den beliebtesten Weihnachtsbaum dar. In den USA war die Edel-Tanne bis in die 1960er Jahre praktisch nur in den Staaten der Pazifischen Nordwestküste, insbesondere in Oregon, als Weihnachtsbaum von Bedeutung. Danach wurde diese in den westlichen USA immer populärer und stellt heute die wichtigste Weihnachtsbaumart in diesen Gebiet dar. Durch ihre gute Fähigkeit, die Feuchtigkeit der Nadeln länger als andere Arten aufrechtzuerhalten, haben Edel-Tannen und Fraser-Tanne in den USA durch diese als wesentlich für die Posternte-Qualität erachtete Eigenschaft eine dominierende Position bei den Produzenten wie den Konsumenten erlangt. Die Edel-Tanne ist in ihrer Fähigkeit, Prozesse der Nadeltrocknis aufzuhalten, auch der Nordmann-Tanne überlegen. Aufgrund der langen Nadelhaltbarkeit und der silbergraublauen Farbe der Blätter ist sie für die Produktion von Schmuckreisig eine der interessantesten Baumarten. Größter Produzent in Europa ist Dänemark, hier wurden (2007) jährlich 35.000 Tonnen Schmuckreisig produziert, 20.000 Tonnen des europäischen Bedarfs an Schmuckreisig werden mit der Edeltanne gedeckt, was etwa 70 % des Bedarfs ausmachen. Die Empfindlichkeit der Edel-Tanne gegenüber Kahlfrösten sowie ihre Neigung zu meist unregelmäßigen Wuchs sorgt dafür, dass sie am europäischen Markt nur eine eher untergeordnete Rolle spielt. Ihre hohen Ansprüchen an Standort- und Bodenverhältnisse (wenig verdichtete Böden mit niedrigen pH-Werten, eine hohe Luftfeuchtigkeit sowie ausgeglichene Temperaturen) versucht man in der Weihnachtsbaum-Kultur mittels geeigneter Saatgutwahl entgegenzuwirken.
Eingeführt
Belgien, Dänemark, Frankreich, Irland, Niederlande (The Netherlands), Norwegen, Schweden, Vereinigtes Königreich (Great Britain), Vereinigtes Königreich, Føroyar, Deutschland
Weitere
Dänemark, Norwegen, California, Oregon, Global, Washington
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