Pflanzenwissen · Art
Die Gemeine Wegwarte oder Gewöhnliche Wegwarte, auch Zichorie, kurz auch Wegwarte genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae).
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Die Gemeine Wegwarte oder Gewöhnliche Wegwarte, auch Zichorie, kurz auch Wegwarte genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie wächst in Mitteleuropa häufig an Wegrändern. Kulturformen sind Chicorée, Zuckerhut (Fleischkraut), Radicchio, Schnittzichorie und die Wurzelzichorie.
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Vegetative Merkmale Die Gewöhnliche Wegwarte ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 140, selten bis zu 200 Zentimetern erreicht. Sie führt weißen Milchsaft. Die Art besitzt eine tiefreichende Pfahlwurzel. Die Stängel stehen steif aufrecht, sind derb, kantig und besonders im oberen Teil sparrig-ästig. Die Grundblätter und die unteren Stängelblätter sind schrotsägeförmig fiederschnittig, sie sind gestielt und ihre Unterseite ist borstig behaart. Die Grundblätter sind 8 bis 25 cm lang und 1 bis 7 cm breit. Die oberen Stängelblätter haben eine länglich-lanzettliche Form, sind fiederspaltig bis ungeteilt und sind ohne Blattstiel sitzend mit geöhrtem oder herzförmigem Blattgrund. Blattrosette Untere Laubblätter Grundblatt-Unterseite Oberes Stängelblatt Wurzeln Generative Merkmale Die Blütenkörbchen bestehen nur aus Zungenblüten. Sie haben einen Durchmesser von 3 bis 5 cm, die seitlichen stehen meist zu zweit bis fünft. Sie sind kurz gestielt oder sitzend. Die Köpfchenhülle ist zweireihig. Die inneren Hüllblätter sind länglich-lanzettlich und die äußeren, eiförmigen Hüllblätter sind halb so lang wie die inneren sowie im Gegensatz zu diesen deutlich abstehend. Die Hüllblätter sind borstig bewimpert und häufig drüsig behaart. Die Zungenblüten sind himmelblau, selten auch weiß gefärbt; Blütezeit ist von Juni bis Oktober. Die auffälligen Blütenstände werden jeweils nur für einen Tag geöffnet und sind meist schon am frühen Nachmittag wieder geschlossen. Während in älteren Veröffentlichungen davon gesprochen wird, dass die Blüten nur am Vormittag geöffnet wären, beträgt die tatsächliche Blütenöffnungszeit zwischen 4 und 7,5 Stunden und hängt (negativ korreliert) von Temperatur, Tageslänge sowie Anzahl der Blütenbesucher ab. Im Herbst können geöffnete Blüten auch noch am späteren Nachmittag gefunden werden. Sind die Blüten geschlossen, hebt sich die Pflanze kaum noch gegen ihre Umgebung ab. Die Blütenkronröhre ist 3 Millimeter lang, die Zunge der Randblüten bis 14 Millimeter lang. Die Achänen sind 2 bis 3 mm lang, eilänglich, eher kantig und haben keinen deutlich ausgeprägten Pappus; dieser besteht nur aus kurzen, eher unscheinbaren Schüppchen. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18 bzw. 18 oder 36 für Cichorium intybus. subsp. sativum. Blütenkörbchen im Detail Isolierte Zungenblüte Korbboden Hüllblätter Achäne Pollenkorn (400×)
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In China und den USA wird Cichorium intybus – auch transgene Formen – kommerziell als Futterpflanze angebaut. Im Jahr 2020 war die Gemeine Wegwarte „Heilpflanze des Jahres“. Sie war zudem bereits 2005 „Gemüse des Jahres“ und 2009 „Blume des Jahres“ in Deutschland. Nutzung als Heilpflanze Die Gemeine Wegwarte wird spätestens seit dem Mittelalter zur Arzneimittelherstellung genutzt. Sie ist möglicherweise unter dem Namen solsequium eine der Pflanzen aus der Landgüterverordnung Karls des Großen (der Name ist nicht eindeutig und wurde auch für Ringelblume, Löwenzahn und Johanniskraut verwendet). Paracelsus empfiehlt sie bereits als schweißtreibend, Kneipp bei Magen-, Darm- und Lebererkrankungen. In der Pflanzenheilkunde wird sie zur Stimulierung und zur Heilung von Milz, Leber und Galle eingesetzt, wird aber auch zur allgemeinen Reinigung bei Hautkrankheiten und Ekzemen angewendet. Volkstümliche Anwendungen umfassen Appetitanregung (ganze Pflanze), Stimulierung der Sekretion von Verdauungssäften und abführende Wirkungen. Zur arzneilichen Behandlung von Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden hat die Wegwarte in Deutschland eine positive Bewertung. Bei der Appetit- und Verdauungsanregung dürften die bitteren Guajanolide wirksam sein. Bei anderen Anwendungsgebieten ist die Wirksamkeit wenig belegt. Eine Studie will jedoch die aus traditioneller Anwendung bekannten sedativen, psychorelaxierenden und streßeffekt-reduzierenden Wirkungen von Cichorium intybus ssp. silvestre bestätigt haben. Zusammenfassend schrieb Gerhard Madaus 1938: „Wegen seiner umfassenden Wirksamkeit und Zuverlässigkeit wird Cichorium … zu den wichtigsten Pflanzenheilmitteln gezählt“. Die Gemeine Wegwarte wurde vom Verein NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2020 gekürt. Nutzung als essbare Wildpflanze Die Laubblätter, Stängel, Blüten und unterirdischen Pflanzenteile der Gemeinen Wegwarte sind essbar. Die Laubblätter eignen sich von April bis zur Blütezeit zur Zubereitung von Salaten, Spinat, Gemüsegerichten, Suppen und Saucen. Da die Laubblätter mit der Zeit immer bitterer werden, eignen sie sich für Salate insbesondere am Anfang der Vegetationsperiode. Die unterirdischen Pflanzenteile kann man von September bis zum Frühjahr ernten. Getrocknet, geröstet und gemahlen kann man sie zur Zubereitung von Zichorienkaffee nutzen. Man kann sie zur Zubereitung von Koch-, Back- und Pfannengemüse verwenden; hierfür schält man sie, schneidet sie klein und wässert sie vor der Zubereitung 2 Stunden. Aus Kampanien und Kalabrien stammt die traditionelle Verwendung der Wildform als Salat oder Gemüse. Sie wird hier cicoria selvatica („Wildzichorie“) oder cicoria verde („Grüne Zichorie“) genannt.
Cichorium intybus wächst als Hemikryptophyt. Die Gewöhnliche Wegwarte gilt als eine Pionierpflanze und ist ein Tiefwurzler. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten, vor allem durch Bienen, z. B. die Hosenbienen und durch Schwebfliegen. An tierischen Schädlingen wurden beobachtet: Anaspis frontalis, Mordelia aculeata, Cassida sanguinolenta, Aphis cichorii und Arten der Gattungen Cucullia und Agrotis. Beobachtungen von Pilz-Schmarotzern liegen vor von Erysibe cichoriacearum, Sphaerotheca humuli, Puccinia cichorii und Arten der Gattungen Diaporthe, Leptosphaeria, Mycosphaerella, Phialea, Pleospora und Pyrenophora.
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Perennial herb
terrestrial
mesotrophic
grasslands
longlived
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Heimisch
Belgien (Flanders), Portugal (Portugal Continental), Schweden, Marokko, Frankreich, Iran, Mongolei, Griechenland, Spanien, Deutschland, Aserbaidschan, Slowenien
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Eingeführt
Australien, Belarus, Belgien, Bulgarien, Kanada (Labrador), Chile, China, Taiwan, Kongo-Kinshasa, Tschechien, Dänemark, Estland
Falklandinseln, Finnland, Frankreich (Saint Pierre and Miquelon), Französische Süd- und Antarktisgebiete (French Southern and Antarctic Lands Terres australes et antarctiques françaises (TAAF)), Irland, Japan, Kirgisistan, Lesotho, Madagaskar, Mexiko, Niederlande (The Netherlands), Norwegen, Peru, Polen, Portugal (Açores), Südafrika, Schweden, Vereinigtes Königreich (Great Britain), Usbekistan, Sonora, Maine, La Araucania, Krasnoyarsk, Victoria, Baja California, Juan Fernández Is., Western Australia, Alberta, Queensland, Labrador, New Zealand South, North European Russia, Sakhalin, Illinois, St.Pierre-Miquelon, Entre Ríos, Saudi-Arabien, La Pampa, New Zealand North, Guatemala, Santa Fé, New South Wales, Coquimbo, Saskatchewan, Vermont, Rhode I., Ontario, Neuquén, Venezuela, Honduras, South Australia, Nova Scotia, Prince Edward I., Tasmania, Pennsylvania, Australian Capital Territory, Montana, Santiago, Mendoza, Buryatiya, Newfoundland, Argentina Distrito Federal, Bangladesch, México State, Biobío, Los Lagos, New Brunswick, Santa Catarina, Nevada, Tucuman, Utah, Connecticut, Uruguay, Northern Territory, Magellanes, Córdoba, Primorye, British Columbia, Arkansas, O'Higgins, Kansas, Québec, Texas, Michigan, New York, Altay, Manitoba, Khabarovsk, Buenos Aires, Iowa, Jujuy, Massachusetts, Maule, Valparaíso, Rio Negro, Indiana, Irkutsk, New Hampshire, North Carolina
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