Pflanzenwissen · Art
Der Gagelstrauch, auch Gagel, Gagelkraut oder Moor-Gagel und Talgstrauch, -busch sowie Talgbaum genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Gagelstrauchgewächse (Myricaceae).
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Gale gale K.C.Schneid., Gale palustris var. tomentosa (C.DC.) A.Chev.,
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Der Gagelstrauch, auch Gagel, Gagelkraut oder Moor-Gagel und Talgstrauch, -busch sowie Talgbaum genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Gagelstrauchgewächse (Myricaceae). Er ist in Nordamerika, Asien und als einziger Vertreter der Myricaceae in Europa im Nordwesten des Kontinents in Feuchtgebieten und Küstenregionen anzutreffen. Da der Bestandstrend u. a. im Zusammenhang mit der Entwässerung von Feuchtgebieten zur landwirtschaftlichen Urbarmachung stark rückgängig ist, gilt er der Roten Liste Deutschlands entsprechend als gefährdet (RL3-Status).
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Erscheinungsbild und Blatt Der Gagelstrauch wächst als stark verzweigter, sommergrüner Strauch und erreicht Wuchshöhen von meist 0,5 bis 1,5 (0,3 bis 2) Meter. Die Rinde der Äste ist dunkelbraun und mit Drüsen besetzt. Die an den Enden der Zweige gehäuft stehenden, wechselständigen, einfachen und drüsenbesetzten, kurz gestielten Laubblätter sind bei einer Länge von 2,5 bis fünf, selten bis zu sechs Zentimetern verkehrt-eiförmig mit keilförmiger und herablaufender Basis. Der kurze Blattstiel ist bis zu fünf Millimeter lang. Sie sind mehr oder weniger fein behaart, ledrig, ganzrandig bis im vorderen Teil gesägt und feinspitzig bis bespitzt oder spitz bis stumpf. Die Blattoberseite ist dunkelgrün und die Unterseite heller. Im Laufe des Sommers werden die Laubblätter ledrig. Blütenstand, Blüte und Frucht Die Blütezeit reicht von April bis Mai. Der Gagelstrauch ist meist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), es kommen aber auch einhäusige Pflanzen und sogar zwittrige Blüten vor. Auch können einzelne Pflanzen im Geschlecht wechseln. Die kleinen, eingeschlechtlichen und sitzenden Blüten ohne Blütenhülle erscheinen vor den Laubblättern in achselständigen Blütenständen. Die weiblichen Blüten, mit zwei Vorblättern und einem Tragblatt, stehen in sehr kurzen, dichten, rötlichen und die männlichen Blüten, mit nur einem Deckblatt, in etwas längeren, etwas lockereren und schmäleren, bräunlichen, zapfenförmigen Ähren, Kätzchen. Der kurze Griffel des oberständigen Fruchtknotens weist zwei relativ lange, rötliche Narbenäste auf. Die männlichen Blüten besitzen drei bis fünf sehr kurze Staubblätter mit rötlichen Antheren. Die kleinen, trockenen, drüsigen und dreispitzigen, einsamigen, wachsigen Früchte, eine Nuss oder Steinfrucht mit Griffel- und Narbenresten sowie seitlich den zwei schwammigen, aufgedunsenen Vorblättern (Flügel), sind bis etwa 3,5 Millimeter groß. Chromosomensatz Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 48 (Europa) bis 2n = 96 (Nordamerika). Gagelstrauch mit unreifen Früchten Blühender männlicher Gagelstrauch Blühender weiblicher Gagelstrauch Zapfenförmige Blütenstände des männlichen Gagelstrauches Gagelstrauchfläche im Ostenholzer Moor
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Verwendung als Lebensmittel Der Gagelstrauch wurde in Nordwesteuropa schon früh zum Bierbrauen verwendet. Analysen von Resten aus einem Trinkgefäß, das der Bestattung des Mädchens von Egtved mitgegeben wurde, ergab, dass hier Bier unter Verwendung des Gagel gewürzt mit Wacholder-, Preisel- und Moosbeeren sowie Birken- und Kiefernharzen vermischt mit Met aus Wildblütenhonig schon um 1400 v. Chr. getrunken wurde. Ab etwa 1100 v. Chr. wurde das Getränk auch mit Wein vermischt. Die Firma Dogfish Head (aus den USA) hat 2012 dänische Rückstände in Kooperation mit dem Biomolekular-Archäologen Patrick McGovern vom University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology in Proben aus Nandrup, Kostræde und Juellinge sowie Havor auf Gotland analysiert und anhand dessen diesen „nordischen Grog“ nachgebraut. 2014 wurde das Getränk unter dem Namen Kvasir – benannt nach dem Mythos von Kvasir, der aus göttlicher Spucke entstand – auf den Markt gebracht. Derartig tiefgehende Untersuchungen sind in der europäischen Tiefebene bisher noch nicht gemacht worden, aber Handelswege machen ein solches Gebräu in ganz Nord- und Mitteleuropa wahrscheinlich. Aufgrund von archäologischen Funden im Gebiet der Rheinmündung kann angenommen werden, dass Gagel dort zur Zeit Christi Geburt ebenfalls zum Bierbrauen verwendet wurde. Nach der am Niederrhein üblichen Bezeichnung für den Gagelstrauch, Grut, werden solche Biere auch Grutbiere genannt. Diese waren bis in das 15. Jahrhundert weit verbreitet. Die Bierbrauer, die damit arbeiteten, nannte man früher Gruter, wovon sich viele ähnliche Familiennamen wie Greuter, Gruyter, Grüter usw. herleiten. Auch heute gibt es noch bzw. wieder „Gagelbiere“. Das aromatische ätherische Öl war und ist Bestandteil von Kräuterlikören. In Dänemark, vor allem in Jütland, wo der Strauch noch recht häufig vorkommt, bilden die Zweige des Gagelstrauchs den entscheidenden Bestandteil des wegen seiner Mildheit beliebten Gagel-Schnapses (Porsesnaps). Außerdem braut die dänische Brauerei Thisted Bryghus zwei Gagelbiere mit den Namen Porse Guld und Sweet Gale (Sweetgale ist der Englische Name für Gagel). Die Haarlemsche Brauerei Jopen aus den Niederlanden, die auf Biere mittelalterlicher Art spezialisiert ist, braut ein Gagelbier namens „Koyt gruitbier“. Die getrockneten Blätter können als Gewürz oder als Tee genutzt werden, die frischen Blätter können in Suppen und Eintöpfen mitgekocht werden. Sonstige Verwendung Er fand auch als Gerberpflanze und als insektenvertreibendes Mittel Anwendung. Die Wurzeln und Rinde wurden zum Gerben von Kälberhäuten verwendet, und wenn sie im Herbst geerntet wurden, färbte man damit Wolle gelb. Aus der Fruchthülle wird ein Wachs (Myrten-, Lorbeerwachs, Grünes Wachs) gewonnen; es ist ähnlich wie jenes von Myrica cerifera. Sein würziges, teils rauchig-erdiges und leicht mit dem Aroma von Lorbeerblättern vergleichbares duftendes Öl wird auch gerne in der Parfumherstellung verwendet. Der Pflanze wurde früher eine Wirkung gegen Zahnfleischerkrankungen zugeschrieben.
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plant
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