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Der Klebrige Salbei, auch Gelber Salbei und Kleb-Salbei genannt, ist eine Pflanzenart aus der artenreichen Gattung Salbei (Salvia) in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Er ist in Eurasien verbreitet.
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Erscheinungsbild und Blatt Der Klebrige Salbei wächst als sommergrüne, ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 40 bis 80, selten bis zu 120 Zentimetern. Stängel, Laubblätter und Kelchblätter sind klebrig behaart (Indument). Der einfache, kräftige und stumpf 4-kantige Stängel wächst aufrecht. Im unteren Bereich ist er mehr oder weniger kahl, nach oben hin entwickelt er eine dicht klebrige und drüsige Behaarung. Die klebrigen Drüsenhaare erfüllen vermutlich eine Schutzfunktion gegen Fressfeinde und kleine Insekten, die nicht der Bestäubung dienen. Die gegenständig am Stängel angeordneten, 8 bis 15 Zentimeter langen, frischgrünen Laubblätter sind im unteren und mittleren Stängelabschnitt lang gestielt, im oberen oft sitzend. Die Blätter nehmen von unten nach oben rasch an Größe ab. Die frischgrünen Blattspreiten sind spießförmig bis eiförmig oder im obersten Bereich mit keilig vorgezogenem Grund versehen. Die unteren Blätter sind ca. 6 bis 12 Zentimeter lang gestielt, wobei der Blattstiel eine rückwärts abstehende Behaarung aufweist. Ihre lang und scharf zugespitzte Spreite wird etwa 8 bis 16 Zentimeter lang und 5 bis 12 Zentimeter breit. Blattober- und Blattunterseite zeigen eine lockere, weiche Behaarung. Die Spreite ist mit großen, spitzen Öhrchen versehen. Der Blattrand ist grob unregelmäßig gesägt. Blütenstand, Blüte und Frucht Die Blütezeit erstreckt sich im Hochsommer von Juli bis September. Der Gesamtblütenstand besteht aus 6 bis 16 scheinquirligen Teilblütenständen mit je vier bis sechs Blüten. Die kleinen Tragblätter des Blütenstandes sind krautig mit oval-lanzettlicher Spreite. Der Blütenstiel ist 3 bis 6 Millimeter lang und weist eine drüsig flaumige Behaarung auf. Die zwittrige Blüte ist zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf grünen, drüsig behaarten Kelchblätter sind glockenförmig verwachsen, sie sind 12 bis 16 Millimeter lang und zeigen eine ungeteilte, kurze und sehr breite Oberlippe. Die lebhaft gelb gefärbte und rotbraun punktierte oder gestreifte Blütenkrone ist 3 bis 4,5 Zentimeter lang. Die Kronröhre springt deutlich hervor. Die Oberlippe ähnelt von der Form einer Sichel und ist etwa 15 Millimeter lang. Die Unterlippe hat 2 breite abgerundete Seitenlappen und einen herabgeschlagenen, vorn verbreiterten, gezähnelten Mittellappen. Je Blüte sind zwei Staubblätter vorhanden. Die oberen Konnektivschenkel der Staubblätter sind 6 bis 8 Millimeter lang und liegen gewöhnlich der Oberlippe an. Die unteren Konnektivschenkel sind nur 3 bis 4 Millimeter lang und als angeschwollene, fast keulenförmige, kurz zusammenhängende Löffel mit ganz verkümmerten Antherenästen ausgebildet. Der untere Narbenast in der Richtung des Griffels ist länger als der obere. Die Klausenfrucht zerfällt in vier Klausen. Die Klausen besitzen eine Länge von 3,5 bis 3,8 Millimetern, eine Breite von 1,8 bis 2,0 Millimetern sowie eine Dicke von 1,1 bis 1,2 Millimetern. Sie sind glatt und braun. Chromosomensatz Die Chromosomengrundzahl beträgt meist x = 8; es liegt meist Diploidie vor, also 2n = 16.
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Der Klebrige Salbei ist von Südwest- über Mittel-, Ost- und Südosteuropa bis zu Kaukasusraum sowie Westasien verbreitet. Es gibt Fundortangaben für das nördliche Spanien, Frankreich (inklusive Korsika), Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Polen, die ehemalige Tschechoslowakei, das ehemalige Jugoslawien, Ungarn, Bulgarien, Albanien, Griechenland, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Ukraine, Krim, die Türkei, den nördlichen Iran. In Deutschland liegen die Hauptvorkommen in den südbayerischen Alpen und dem dortigen Alpenvorland. In den Allgäuer Alpen steigt die Art im Tiroler Teil an der Rotwand bei Elbigenalp bis zu 1700 m Meereshöhe auf. Im Puschlav steigt sie bis 1630 Meter, im Tessin bis 1650 Meter und im Val Müstair bis 1700 Meter Meereshöhe auf. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental). Der Klebrige Salbei gedeiht in Laub- und Mischwäldern der Gebirge Mittel- und Südeuropas. Er gedeiht vor allem im Schatten und Halbschatten. Er bevorzugt frische und sickerfeuchte Schlucht- und Auwälder, Waldränder und Waldschläge. Er gedeiht am besten auf meist kalkfreien Böden, die jedoch reich an anderen basischen Kationen sind. Er ist in Mitteleuropa eine Fagetalia-Ordnungscharakterart.
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Beim Klebrigen Salbei handelt es sich um einen mesomorphen bis hygromorphen Hemikryptophyten. Er besitzt eine Pleiokorm-Pfahlwurzel als Speicherorgan. Dies bedeutet, dass eine sprossbürtige Bewurzelung möglich ist, selbstständige Individuen im Sinne von vegetativer Ausbreitung jedoch nicht entstehen. Basale Achselknospen stellen die Innovation sicher. Ausbreitungseinheiten (Diasporen) sind gewöhnlich die klebrigen Kelche mit den darin enthaltenen Klausen. Sie unterliegen der Schwerkraftausbreitung und fallen als Ganzes ab oder bleiben an vorbeistreifenden Tieren und Menschen haften (Klettausbreitung, Epichorie). Die Samen sind Kälte- und Dunkelkeimer. Die Fruchtreife ist von September bis November. Bestäubung Blütenökologisch ist der Klebrige Salbei eine vormännliche „Eigentliche Lippenblume“, die wenig Pollen und viel Nektar anbietet: Die Unterlippe dient als Landeplatz für die Bestäuber, die helmförmige Oberlippe verbirgt die beiden Staubblätter und den Griffel. Die meisten Blüten sind zwittrig, wobei die Narbenäste in der Regel erst nach den Staubbeuteln reifen (Proterandrie). Am Kronröhreneingang fungiert eine kleine zweigeteilte „Federklappe“ (evolutionär ein umgewandeltes ehemaliges Staubblatt-Paar) als „Schikane“, die größere Insekten erst nach hinten drücken müssen, um an den tief im Blütengrund angebotenen Nektar zu gelangen, wofür mindestens eine Rüssellänge von 15 mm erforderlich ist. Die „Federklappe“ ist der sehr kurze Kraftarm einer gelenkig gelagerten, geschwungenen Wippe, deren langer Lastarm die beiden Staubblätter sind. Durch den Druck des Insekts wird der so genannte „Schlagbaum“-Mechanismus betätigt und drückt die beiden Staubblätter aus der Oberlippe heraus nach unten auf den Rücken des Insekts und bepudert ihn mit Pollen. Im weiteren Reifeprozess einer Blüte verwelken die Staubblätter und der anfangs nur wenig vorragende Griffel streckt sich, so dass er von Kopf und Rücken anfliegender Insekten Pollen aufnehmen kann. Durch den „Schlagbaum“-Mechanismus und die Vormännlichkeit werden die Blüten vorzugsweise fremdbestäubt, wenn die Bestäuberinsekten nacheinander Blüten im männlichen und weiblichen Reifestadium besuchen. Der Klebrige Salbei ist aber auch selbstkompatibel. In der Literatur wird der Klebrige Salbei als sehr biodiversitätsförderliche Insektenpflanze beschrieben, von der neben einigen Schmetterlings-, Schwebfliegen- und Käferarten insbesondere rund drei Dutzend Wildbienenarten profitieren. Bei solchen Angaben handelt es sich in der Regel um kumulierte Zahlen aller dokumentierten Insektenbeobachtungen an den verschiedensten natürlichen Vorkommen von Klebrigem Salbei. In einem vermeintlichen Widerspruch dazu können Eindrücke entstehen, die bei sporadischen Beobachtungen an gärtnerischen Anpflanzungen im Siedlungsraum und außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets gewonnen werden: Kleinere Insekten wie z. B. Maskenbienen können die „Schikane“ des Klebrigen Salbeis seitlich oder unterhalb umgehen und so an den Nektar gelangen, ohne zur Fremdbestäubung beizutragen. Die Große Holzbiene (Xylocopa violacea) kann aufgrund ihrer Körpergröße mühelos den „Schlagbaum“-Mechanismus großblütiger Salbeiarten wie z. B. auch des Muskatellersalbeis bedienen, besucht Blüten des Klebrigen Salbeis aber nur selten, wobei sie auch teilweise mit dem Rüssel zwischen Kelchblätter und Kronröhre sticht; meist wendet sie sich aber schnell wieder anderen Nahrungsquellen zu. Als fremdbestäubungswirksame Blütenbesucher sind dagegen regelmäßig und wiederkehrend Hummelarten mit mittlerer oder langer Rüssellänge (insbesondere Arbeiterinnen der Ackerhummel, aber auch Königinnen kurzrüsseliger Arten) zu beobachten, die sich dazu oftmals sehr tief in die Blüten hineinzwängen müssen. Honigbienen und vergleichbar große Wildbienenarten können die „Schikane“ nicht umgehen, bei ihren Körpergrößen aber auch den „Schlagbaum“-Mechanismus nicht oder nur sehr mühsam betätigen, sondern müssten sich ggf. durch – ebenfalls mühsames – Anstechen der Kronröhre („Nektarraub“) Zugang zum Nektar verschaffen; sie befliegen daher Klebrigen Salbei in der Regel nicht. Insbesondere wenn sich leichter zugängliche Nahrungsquellen in der Nähe anbieten, stellt sich daher meistens ein eher selektiver und verhaltenerer Insektenbesuch an Klebrigem Salbei ein, was aber seinen ökologischen Wert u. a. auch vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse zu den ernährungsphysiologischen Ansprüchen und Futtersuchpräferenzen der verschiedenen Insektenarten nicht schmälert. Blüte im Längsschnitt Maskenbiene Große Holzbiene Ackerhummel Macrotylus quadrilineatus Synökologie Die Eulenfalterraupen von Messingeule und Wasserdost-Goldeule nutzen die Blätter des Kleb-Salbeis als Futterquelle. Beide Arten leben polyphag von der Pflanze. Die Wasserdost-Goldeule steht auf der Vorwarnstufe der Roten Liste. Aus der Unterfamilie Phylinae der Weichwanzen hat sich die Art Macrotylus quadrilineatus auf den Klebrigen Salbei spezialisiert. Sie saugt von dem Saft der Pflanze und verschmäht auch die kleinen Insekten nicht, die an der klebrigen Pflanze hängen bleiben. Als pflanzlicher Vollschmarotzer hat sich die Salbei-Sommerwurz Orobanche salviae aus der Gattung der Sommerwurzen auf den Klebrigen Salbei als Wirtspflanze spezialisiert. Die Salbei-Sommerwurz kommt im östlichen Voralpenland sehr selten, in den deutschen Alpen sehr zerstreut bis selten mit zurückgehenden Beständen vor; sie ist als stark gefährdet eingestuft.
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